Experteninterview Katrin Gaupmann

CSR ist längst zum breitenwirksamen Thema geworden und wird auch durch verschiedene Awards entsprechend gewürdigt. Einer der bedeutendsten Awards in dieser Hinsicht ist der TRIGOS-Preis der von einer Trägerplattform aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft verliehen wird. Frau Mag. (FH) Katrin Gaupmann von der CSR-Unternehmensplattform respACT, einem der zehn Träger des TRIGOS, stand dem Studio 44 für ein kurzes Interview zum Thema CSR zur Verfügung.

Was genau ist eigentlich respACT?
respACT ist Österreichs Unternehmensplattform für CSR und nachhaltige Entwicklung. Wir unterstützen Unternehmen dabei, „nachhaltiges Wirtschaften“ umzusetzen. Auf der einen Seite übernehmen wir dabei eine Funktion der Öffentlichkeitsarbeit, indem wir gemeinsam mit unseren nationalen und internationalen Partnern aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten auf diesem Gebiet aufzeigen. Ein weiterer Aspekt unserer Arbeit ist der Bereich Vernetzung, unter dem vor allem der Austausch zwischen Unternehmen gefördert und ihnen so die Möglichkeit geboten wird, voneinander zu lernen. Unser dritter Bereich ist die Kompetenzentwicklung. Hier gibt es spezielle Arbeitsgruppen, an denen Unternehmen teilnehmen können, um sich in den einzelnen Bereichen der CSR weiter zu bilden.

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei der Umsetzung einer „grünen“ bzw. sozialverantwortlichen Unternehmens-Strategie?

Grundsätzlich müssen solche Maßnahmen, Programme und Strategien immer von der Geschäftsführung getragen werden. Das bedeutet, dass verantwortungsvolles Wirtschaften innerhalb des Unternehmens auch wirklich gelebt werden muss. Nur auf diese Weise wird CSR von den MitarbeiterInnen ernst genommen und umgesetzt. Für die Etablierung von CSR im Betrieb und den Erfolg der gesetzten Maßnahmen ist die Haltung der Führungsebene ausschlaggebend, speziell im innerbetrieblichen Umfeld wirken sich derartige Strategien und insbesondere die Wertschätzung gegenüber den MitarbeiterInnen positiv auf Motivation und Betriebsklima aus – immerhin sind die MitarbeiterInnen die mit unter wertvollste Ressource eines Unternehmens. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass sich MitarbeiterInnen, je mehr Mitsprache sie in einem Unternehmen haben, auch stärker mit dem Unternehmen identifizieren und sich somit engagierter für das Unternehmen einsetzen.


Was sind die wichtigsten Punkte für ein Unternehmen, wenn es um nachhaltiges Handeln und CSR geht?

Grundsätzlich haben wir in unserem CSR-Leitbild 5 Handlungsfelder, die in enger Verbindung miteinander stehen, definiert. Von besonderer Bedeutung ist der Bereich „Führung und Gestaltung“, da es - wie bereits erwähnt - besonders wichtig ist, dass die Führungsebene voll und ganz hinter den CSR-Maßnahmen steht. Nur dadurch kann eine langfristige und nachhaltige Umsetzung gewahrleistet werden. Auch für die Kommunikation nach außen und die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist dieser Aspekt relevant. Im Grunde erstreckt sich dieser erste Punkt aber auch über die vier anderen Handlungsfelder „MitarbeiterInnen“, „Gesellschaft“, „Umwelt“ und „Markt“, die ebenfalls in einer ständigen Wechselwirkung zueinander stehen. Weitere Informationen zu den verschiedenen Handlungsfeldern sind auch auf unserer Homepage unter http://www.respact.at/csrleitbild einsehbar.


Ist CSR für Sie ein untrennbares Gesamtpaket oder können Unternehmen in einem ersten Schritt auch nur einzelne Bereiche sinnvoll bearbeiten?

Grundsätzlich sollte ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden. Wir unterstützen Unternehmen dabei, sich nicht nur auf einzelne Elemente wie beispielsweise ökologische Nachhaltigkeit zu fokussieren sondern vor allem auch die Vernetzung der einzelnen Elemente, im doch sehr breiten CSR-Thema, bei ihrer Planung zu berücksichtigen. Das wurde in diesem Jahr auch bei den Bewerbungen für den TRIGOS sehr stark beachtet, da erstmals das ganzheitliche Engagement stärker als das eingereichte Projekt bewertet wurde.


Kann jedes Unternehmen zu einem „Green“-Unternehmen werden?

Ja. Jedes Unternehmen, das die strategische Bedeutung von CSR erkannt hat und auch bereit ist, diese in seiner Firmen-Philosophie zu berücksichtigen, kann zu einem „Green“-Unternehmen werden. In vielen Fällen ist es so, dass gerade Unternehmen aus kritischen Branchen eine Vorreiterrolle in puncto CSR einnehmen, da sie oft sehr stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen und sich mit kritischen Themen aktiv auseinander setzen müssen.


Wie hoch ist der Stellenwert von CSR und ökologischem Handeln in der österreichischen Unternehmens-Landschaft?

Es gibt einen sehr starken Trend hin zum CSR-Bewusstsein. Unternehmen erkennen zunehmend die Chancen, die sich aus verantwortungsvollem Wirtschaften ergeben. Wir sehen das auch bei unserer Mitgliederzahl, die sich in den letzten Jahren trotz Finanz- und Wirtschaftskrise verdoppelt hat. Auch bei Veranstaltungen wie dem jährlichen CSR-Tag oder bei den Bewerbungen für den TRIGOS können wir uns über wachsende Zahlen freuen. Eine der Ursachen dafür liegt sicher in der verstärkten Öffentlichkeit für das Thema CSR, aber auch die zahlreichen Vorteile durch CSR sind für viele Unternehmen ein wichtiger Motivations-Faktor.


Worin liegt Ihrer Meinung nach der größte Vorteil einer ökologisch ausgerichteten Strategie für ein Unternehmen?

Zum einen handelt es sich dabei sicher um einen Kostenfaktor, in vielen Bereichen eröffnet eine nachhaltige Unternehmensstrategie Einsparungsmöglichkeiten in Bezug auf Energie und Ressourcen. Zum anderen handelt es sich bei CSR natürlich um einen wichtigen Innovationstreiber. Für viele Unternehmen ergeben sich auch wichtige Wettbewerbsvorteile durch die Schaffung eines spezifischen Kundennutzens. Ein Beispiel dafür wäre die Malerei Herbsthofer in der Steiermark, der erste klimaneutrale Malereibetrieb in Österreich, der es geschafft hat, trotz einer CO2-Einsparung von 50% die Umsätze zu steigern und so für sich ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.


Was ist der ASRA?

Der ASRA, der Austrian Sustainability Reporting Award, ist die Auszeichnung für Nachhaltigkeitsberichte österreichischer Unternehmen, der in diesem Herbst zum zwölften Mal verliehen wird. Ziel des ASRA ist es, gute Nachhaltigkeitsberichte vor den Vorhang zu holen und der Öffentlichkeit „Best Practice“-Beispiele vorzustellen. Ein Fokus liegt dabei auf den Themen Transparenz und Kommunikation. Mit dem ASRA sollen Betriebe motiviert werden, über soziale und ökologische Aspekte ihrer Tätigkeiten zu berichten. Weitere Details zum ASRA sind ebenfalls auf unserer Website unter http://www.respact.at/site/news/aktuelles/article/5392.html zu finden.


Studio 44 bedankt sich für das Gespräch

Mag. (FH) Katrin Gaupmann

Kommunikation & Projektleitung

respACT – austrian business council for sustainable development

  • geboren 1987 in Lilienfeld, Niederösterreich
  • 2005 Matura am BG/BRG Lilienfeld, Niederösterreich
  • seit 2005 Studium der Germanistik an der Universität Wien
  • 2006 – 2010 Studium an der FH Wien-Studiengänge der WKW für Journalismus und Medienmanagement (Spezialisierung Medienmanagement) und der Roskilde Universitet, Dänemark
  • Praktika bei der Austria Presse Agentur (APA), Trimedia Communications/Grayling, respACT sowie praktische Erfahrungen im Radio- und Fernsehbereich (z.B. Okto-TV, 88.6)
  • seit 2010 Kommunikation & Projektmanagement bei respACT (seit 2011 Leitung Kommunikation bei respACT)

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