Expertentipp Irmie Schüch-Schamburek
Bei Veranstaltungen bleibt oft wenig Zeit sich ausführlich vorzustellen oder viele Worte zu wechseln. In solchen Situationen zählt der erste Eindruck, der hautpsächlich von Kleidung, Make-up und Körperhaltung bestimmt wird. Studio 44 hat Irmie Schüch-Schamburek befragt, wie man auf jeden Fall einen guten Eindruck hinterlässt.
Mit der Kleidung vermittelt man unbewusst Messages. Egal welchen Stil die Person trägt, eines ist dabei ganz besonders wichtig: das Outfit muss richtig sitzen - denn in dem Moment, wo dies nicht der Fall ist, stimmen Inhalt und Form nicht überein.
Menschen haben ein feines Harmoniegefühl für Farben und Formen. Die vorgetragenen Inhalte werden zum Beispiel angezweifelt, wenn der Anzug zu groß ist. Damit könnte der Zuhörer assoziieren, dass der Redner der Aufgabe nicht gewachsen oder die Aufgabe eine Nummer zu groß für ihn ist.
Wichtig ist auch, dass die Kleidung zum Rahmen der Veranstaltung passt. Die Farb- und Musterwahl etwa löst verschiedene Stimmungen aus und sollte deshalb gut auf die Präsentationsinhalte abgestimmt sein.
Um möglichst präsent zu erscheinen, eigenen sich lebendige, starke Farben. Da das Bühnenlicht viel davon verschluckt, darf die Farbwahl ruhig etwas kräftiger als im Alltag ausfallen.
Blau- und Violetttöne wirken sehr harmonisierend, regen die Phantasie an und bringen die Zuschauer zum Relaxen. Kräftige Rot- und Orangetöne unterstreichen die Präsenz der Person und verkünden Aktivität und Dynamik. Wenn man lieb, harmlos, besonders aufgeschlossen und freundlich wirken möchte, ist man mit Pastellfarben gut beraten. Diese sind stimmungsaufhellend und vertrauenserweckend. Hüllt man sich als Dame allerdings zu sehr in Pastellfarben, kann das auch kompetenzmindernd wirken.
Klassische Businessfarben wie etwa Blau und Grau erzeugen eine sehr neutrale Stimmung. Das bewirkt, dass Gestik und Mimik viel Raum gelassen wird. Bei Schwarz und Weiß muss man extrem aufpassen: diese Farben machen einen sehr fahlen und müden Teint und stehen eigentlich nur dem südländischen und schwedischen Typ. Auch der sogenannte Schneewittchen-Typ kann diese tragen. Zu beachten ist außerdem, dass Schwarz extrem dezent ist und das Augenmerk stark auf das Gesicht lenkt. Die Wahl der Farbe hängt grundsätzlich vom Menschen ab.
Personen mit einer starken Ausstrahlung wirken auch in einem stimmungsmäßig neutralen Outfit sehr präsent. Alle jene, die vom Typ und Wesen her eher schüchtern und zurückhaltend sind, sollten zu kräftigere Farben greifen, um ihre jeweilige Kompetenz zu unterstreichen.
Gerade für Damen sind Podiumsdiskussionen stil-technisch ein Spießroutenlauf, weil man immer darauf bedacht sein muss, wie man beim Sitzen wirkt.
Röcke passen immer gut. Abzuraten ist dabei allerdings von einem engen Bleistiftrock, weil dieser ehrfahrungsgemäß mit der Zeit immer höher rutscht und Einblicke freigeben kann, die nicht unbedingt vorteilhaft sind. Außerdem sollte frau unbedingt eine Strumpfhose tragen, weil Beine in Strümpfen einfach schöner aussehen.
Die Wahl des Oberteils hängt von den zu vermittelnden Inhalten und der persönlichen Haltung ab. Wenn man sich bewusst locker und offen geben möchte, können Herren etwa auf die Krawatte verzichten und den ersten Hemdkragenknopf offen lassen.
Ein absolutes No-Go sind allerdings Socken und kurzärmelige Hemden zu Anzügen. Zu Anzügen werden grundsätzlich immer Stutzen getragen, die auch farblich auf die Schuh- oder die Anzugfarbe abgestimmt sein sollten.
Beim Sitzen können die Damen die Beine übereinanderschlagen. Dabei sollten diese jedoch nicht mehrmals ineinander verhakt werden. Das minimiert die eigene Energie und wirkt nie selbstbewusst. Am Besten ist es allerdings, die Beine parallel am Boden stehen zu lassen. Das symbolisiert, dass man mit beiden Beinen fest im Leben steht. Beim Stehen sollte man beachten, beide Beine gleich stark zu belasten und eine gute Standhaftigkeit zu haben.
Welches Make-up sollte man für den Bühnen-Auftritt wählen?
Man wirkt nie souverän, wenn das Gesicht glänzt – das gilt für Damen und Herren gleichermaßen. Es ist ganz wichtig, dass der Teint matt ist. Bevor man auf die Bühne geht, sollte man auch unbedingt das Gesicht noch einmal leicht pudern.
Wichtig ist natürlich auch, Hautunreinheiten gut abzudecken, damit der Teint ebenmäßig und gepflegt wirkt. Männer sollten sich vor ihrem großen Auftritt unbedingt gut rasieren. Das Make-up der Damen darf für die Bühne ruhig etwas kräftiger als üblich ausfallen. Dabei sollten sowohl die Augen als auch die Lippen auffälliger geschminkt werden. Wichtig sind auch Wimperntusche und etwas Rouge. Eventuell kann man auch die Konturen der Augenbrauen mit einem Stift in der passenden Farbe definieren.
Bei Männern reicht meistens etwas Puder. Aber auch hier ist es vorteilhaft, die Augenbrauen mit einem passenden Augenbrauenstift und die Lippen mit etwas Gloss zu betonen.
Stehen in einer Einladung die Wörter „black tie“, „cravate noire“ oder die etwas unübliche Bezeichnung „Gesellschaftsanzug“, ist dies als eindeutiger Hinweis auf den klassischen Smoking zu verstehen. In englischsprachigen Weltregionen wird ebendieser auch als „Tuxedo“ oder „dinner jacket“ bezeichnet. Zu einem Abendanzug passt bei der Dame optimal ein kurzes oder langes Abend- oder Cocktailkleid. Aber auch ein schmales Dinnerkleid mit kleinem Dekolleté sieht neben dem Smoking oder Dinner Jackett sehr elegant aus.
"Casual“ ist im Gegensatz dazu die inoffiziellste Form der Kleidervorschrift, da sie eigentlich besagt, dass es keine gibt. Trotzdem erfordert dieser Dresscode gehobene, legere Freizeitkleidung. „Business casual“ beschreibt ein normales, bürotaugliches Outfit: ein Anzug in gedeckten Farben, ein pastellfarbenes oder weißes Hemd für den Herren; Hosenanzug oder Kostüm für die Dame.
„Cocktail“ bedeutet dunkler Anzug. Bei der Dame stehen ein kurzes Cocktail- oder Abendkleid, elegante Hose und Blazer, Schmuck, Schuhe mit hohen Absätzen und etwas mehr Make-up auf dem Plan.
Das eleganteste Kleidungsstück für den Mann ist sicher der Frack. Ist jener, wie zum Beispiel beim Wiener Opernball, Pflicht, finden Sie dies in der Einladung unter „white tie“, „cravate blanche“ oder auch „großer Gesellschaftsanzug“ angedeutet. Für die Dame bedeutet dies ein prächtiges, langes und „weites“ Abendkleid. Entsprechend festlich fallen auch das Make-up, die Frisur und die Wahl der Accessoires aus.
Irmie Schüch-Schamburek besuchte die Modeschule Hetzendorf und arbeitete anschließend 15 Jahre lang als Fotomodel in Paris, Mailand und Tokio. In dieser Zeit sammelte die Mode-Expertin bereits reichlich Erfahrung in den Bereichen Styling und Trends. Nach der Model-Karriere war Schüch-Schamburek als Trendconsultant für mehrere heimische Unternehmen tätig und etablierte die Modemarke Kookai am österreichischen Markt. Die Inhaberin der Trendconsulting-Agentur Trendvision arbeitet heute als systemischer Wirtschaftscoach, erstellt für den ORF Trendpräsentationen und schreibt als Modejournalistin für zahlreiche Magazine.
Fotos: KGV Verlag, Caro Strassnik