Expertentipp NPO-Veranstalter
Mag. Thallinger:
Sehr viel Überzeugungsaufwand. Obwohl die Arbeit auf die Unterstützung von Kindern ausgelegt ist, ist es oft gar nicht so einfach, die entsprechende Hilfestellung von außen zu bekommen. Die schlechte Wirtschaftslage erschwert dies zudem. Es entstehen immer mehr Vereine bei einer deutlich sinkenden Spendenbereitschaft. Da muss man wirklich viele gute Argumente im Ärmel haben, um potentielle Sponsoren von der Sinnhaftigkeit eines Projektes überzeugen zu können.
Was bedeutet es für Sie, Veranstaltungen für Non Profit Organisationen umzusetzen?
Mag. Zumpfe:
In jedem Fall eine größere Verantwortung als bei der Veranstaltung eines profitorientierten Unternehmens. Für eine NPO hängt vielmehr davon ab, da es eine gute Möglichkeit ist die Initiative mit einem Schlag einer größeren Öffentlichkeit zu transportieren, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und auf ihre Inhalte aufmerksam zu machen. Dazu kommt, dass die budgetäre Situation von NPO`s oft schwer abschätzbar und in Zeiten wie diesen gar nicht so einfach ist. Es kommt hier, wenn Sie so wollen ein größerer „Lobbying“-effekt dazu.
Mag. Thallinger:
Man muss auf jeden Fall sehr kommunikativ, mobil und reiselustig sein. Eine sehr gute Menschenkenntnis und ein Gespür für sein Umfeld sind natürlich auch ganz wichtig.
Mag. Zumpfe:
Auf alle Fälle eine gehörige Portion Idealismus, Kreativität und vor allem Durchhaltevermögen.
Mag. Thallinger:
Grundlegend für die Auswahl ist ein positives zu uns und unseren Werten passendes Image. Als Kinderhilfsorganisation sind wir bei der Sponsorensuche natürlich themenmäßig sehr eingeschränkt. Wir können nicht etwa an ein Tabakunternehmen herantreten. Unsere Sponsoren sollten genauso wie wir eine Vorbildfunktion für Kinder haben. Sie müssen einfach zu uns und unserer Philosophie passen.
Gestaltet sich die Umsetzung einer Veranstaltung für eine NPO anders oder sogar schwieriger als für ein profitorientiertes Unternehmen? Wenn ja, inwiefern?
Mag. Zumpfe:
Auf jeden Fall, da man oft bis zum Schluß nicht weiß, ob sich die geplanten Maßnahmen budgetär ausgehen. Gerade am Anfang einer Initiative stehen die Sponsoren oft lange nicht fest. Ziel sollte es daher sein, dauerhafte Partner zu finden und die Veranstaltung aus dem anlassbezogenen Fundraising heraus zu holen. Etwas das, wie ich denke, bei jeder Veranstaltung realistisch wird, sobald die Sponsoren das Gefühl haben, dass die Idee auch glaubwürdig transportiert wird.
Mag. Thallinger:
Unsere qualifizierte Arbeit im Veranstaltungsbereich und die professionelle Einbindung in die Veranstaltung selber. Diese reicht von der Vorberichterstattung über die Veranstaltung bis hin zur entsprechenden Nachbearbeitung. Obwohl unsere Veranstaltungen mitunter stark von Emotionen geprägt sind, ist es auch für uns als NPO ganz wesentlich, den Sponsoren messbare Gegenwerte für die erbrachten Leistungen gegenüberzustellen.
Mag. Zumpfe:
Wenn die Veranstaltung auf dem besten Weg dazu ist sich einen Namen zu machen, und er zufriedenstellend positioniert ist. Dazu braucht es gute Pressearbeit und eine wirkungsvolle Kommunikation zu den Zielgruppen, was sich auch in wachsenden Zahlen niederschlägt. Ganz wesentlich ist es daher, die Sponsoren auch nach der Veranstaltung über Presse etc. am Laufenden zu halten.
Mag. Thallinger:
Der persönliche Zugang ist ein ganz wichtiger Punkt. Es hat einfach eine ganz andere Wertigkeit für eine NPO zu arbeiten als für ein profitorientiertes Unternehmen. Auch der Zugang der Sponsoren ist häufig ein anderer. Sobald ein solcher in ein Projekt direkt involviert ist, ist auch meist die Forderung nach persönlichem Kontakt seitens des Sponsors vorhanden. Besuche in der Einrichtung und ein kontinuierlicher Austausch mit den MitarbeiterInnen sind da gar nicht so selten. Viele Sponsoren sind sogar zu lieben Weggefährten geworden.
Ist das persönliche Involvement höher, wenn man eine Veranstaltung für eine NPO umsetzt?
Mag. Zumpfe:
Sicher, Sie müssen ja Überzeugungsarbeit leisten und im Ernstfall auch bereit sein, überdurchschnittlichen Einsatz zu bringen. Die Bereitschaft dazu wird größer, wenn Sie das Projekt von Anfang an mitgestalten und das ganze Team mit Herz dabei ist. Hier steht weniger die Frage im Vordergrund: „Wie bauen wir das Schiff?“, sondern: „Wo wollen wir hin?“ Da sind Sie automatisch schon stärker involviert.
Mag. Thallinger:
Eine Mischung aus einem interessierten Publikum und natürlich einer tollen Location, die auch zur Veranstaltung und der Message passen muss. Wenn dann auch noch ein Sponsor aufgrund der Emotionen und Gefühle, die durch die Veranstaltung ausgelöst wurden, schon im Vornherein die Zusage für das nächste Jahr gibt, weiß man, dass die Veranstaltung erfolgreich war.
Mag. Zumpfe:
Sie sollte das halten, was sie Initiatoren und Sponsoren verspricht und glaubwürdig sein. Da es z.B. bei der MiA um die Anerkennung von Frauen geht, die sich bereits auf einem sehr hohen beruflichen Level bewegen, würde es am Ziel vorbeigehen, sie in einem Keller mit Bier und Würsteln zu feiern.
Mag. Anita Thallinger
Mag. Anita Thallinger ist seit 2007 bei Pro Juventute für die Pressearbeit und Eventkoordination zuständig. Zuvor war die diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin für die A&M Verlagsgruppe Weltbild in den Bereichen Werbung und Marketing tätig. Erfahrung im Kommunikationsbereich sammelte die Salzburgerin unter anderem auch beim Stadtmarketing Wels und in der Presse- und Marketing-Abteilung am Flughafen Linz. Eine Schärfung der Menschenkenntnisse und wertvolle erste Erfahrungen im Eventbereich verdankt Thallinger ihrer Tätigkeit für die Manos Würsteloase sowie der VIP Betreuung des Königs aus Saudi Arabien bei der islamischen Weltkonferenz in Quatar.
Foto: (c) Pro Juventute
Neben dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien absolvierte Frau Mag. Sonja Zumpfe eine Ausbildung zur Kommunikationsfachfrau und Mediatorin. Mag. Zumpfe war für den ÖGV als Vorstandsassistentin und Rechtsberaterin tätig und mit den Bereichen Verbundkoordination und PR betreut. 2005 gründete die engagierte Akademikerin die Agentur ihrAssistent (Lobbying f. höhere Flexibilität, Projektarbeiten im Netzwerk von und für Wiedereinsteigerinnen) und bietet damit qualifizierten Personen Wiedereinstiegsmöglichkeiten ins Berufsleben. Frau Mag. Zumpfe zeichnet zudem für die MiA – Geschäftsführung sowie die Vitag – Projektkoordination (Marketing für Gesundheitsprävention in Unternehmen) verantwortlich.