Expertentipp von Ingrid Malina

Herausforderung Live-Übertragung!


Jeder Event ist live und hat somit viel mit einer Live-Übertragung gemeinsam. Doppelt „live“ wird’s, wenn der Event zusätzlich live übertragen wird. Regisseurin und Drehbuchautorin Ingrid Malina gibt Tipps für diese besondere Herausforderung.

„Im Fernsehgeschäft ist die Live-Übertragung die Königsdisziplin. Hunderte Stunden Vorbereitung von Technik, Regie und Mitwirkenden stellen sicher, dass es während der Übertragung zu keinen „Patzern“ kommt. Bei einer Veranstaltung, die natürlich ebenfalls live abläuft, verhält es sich ähnlich. Alles, was auf der Bühne gesagt und getan wird, ob gut oder schlecht, richtig oder falsch, kann nicht mehr ausgebessert werden. Die Vorbereitung zu einer Veranstaltung und die Festlegung des Zeitablaufs (Timing) sind daher das A und O eines jeden Events."

Groß im Bild


Werden Kameras zur Übertragung des Live-Bildes auf Projektionswände eingesetzt, müssen einige grundlegende Dinge beachtet werden. Der Redner oder Moderator wird von den Kameras groß oder halbnah aufgenommen. Dabei sieht man meist nur den Oberkörper. Bei Diskussionsrunden werden die Teilnehmer meist im Doppel oder abwechselnd groß gezeigt. Selbst kleinste Details können so sichtbar werden.


Kühlen Kopf bewahren


Fernsehkameras brauchen viel Licht, um kontrastreiche, starke Bilder zu liefern. So findet sich der Redner auf der Bühne im Scheinwerferlicht wieder. Machen Sie sich vor der Veranstaltung mit dieser Situation vertraut, denn es ist meistens nicht nur sehr hell, sondern auch sehr warm.

Um glänzende Stellen im Gesicht zu vermeiden, empfiehlt es sich - für Damen und Herren gleichermaßen - direkt vor Beginn der Veranstaltung einen speziellen Abdeckpuder aufzutragen. Dieses im Fachhandel erhältliche Kosmetikum verhindert ein Durchdringen der Feuchtigkeit. Sie werden sehen, dass Sie sich dadurch gleich wohler fühlen. Denn das Gefühl, wie sich Schweißperlen an der Stirn bilden und über das Gesicht laufen, kennt und fürchtet wohl jeder.


Gestik und Mimik

Gleichzeitig sollten Sie auf Ihre Gestik und Mimik achten. Zu viele oder hektische Bewegungen machen das Bild auf den Großbild-Projektionswänden nicht dynamisch, sondern unruhig. Setzen Sie Ihre Gesten daher gezielt und ruhig. Vermeiden Sie übertriebene Mimik, die nur allzu rasch in Grimassen ausarten kann.

Einspielungen


Gibt es bei Ihrem Vortrag auch Einspielungen von Video- oder Musikbeiträgen, so ist dies vorher mit dem Regisseur bzw. dem technischen Personal abzuklären. Wichtig ist, dass die Personen im Regieraum rechtzeitig das richtige Material und die nötigen Informationen bekommen. Beschriften Sie alle Bänder und Discs so, dass die Informationen eindeutig und gut lesbar sind. Klären Sie ab, an welcher Stelle der Beitrag eingespielt werden soll und halten Sie das auf einer Liste (Cue List) fest.

Die eleganteste Lösung: Bei einem vorher vereinbarten Stichwort wird die Einspielung von der Technik abgefahren. Das erfordert Disziplin, da das Abspielgerät - je nach eingesetzter Technik - eine gewisse Verzögerung verursacht und dadurch eine kurze Pause von etwa 1 bis 5 Sekunden entsteht. Diese sollte jedoch unter keinen Umständen mit Kommentaren „gefüllt“ werden. Denn dann entsteht der Eindruck, dass der Einstieg nicht geklappt hat. Außerdem läuft man Gefahr, mitten in die gerade gestartete Einspielung „hineinzureden“.


Kontakt zum Publikum


Schauen Sie während ihr Rede auf und vermeiden Sie stures Lesen vom Blatt. Teilen Sie den Saal gedanklich in 3 Segmente, in die Sie abwechselnd blicken. Nur so haben Sie die Gewissheit, dass die Zuhörer im Saal - und auch die Kameras - ihr Gesicht tatsächlich sehen können. Sollten Sie vorhaben, sich während ihres Programmpunkts von der Bühne zu begeben und durch den Saal zu gehen, sollte dies vorab mit dem Regisseur abgeklärt werden. Dieser bespricht mit dem Lichttechniker, dem Tontechniker und den Kameramännern, wie diese Situation technisch umgesetzt werden kann.


Üben, üben, üben

Bei einer Generalprobe sollten die genannten Punkte genau geklärt und geprobt werden. Eine 2. Variante für das Kommando der Einspielung kann lauten: „Film ab!“ oder „Bitte die Einspielung!“ Als Lehrbeispiel kann man eine Nachrichtensendung nehmen. Hier herrscht eine ähnliche Situation: Ein Moderator (Sprecher) führt durch eine Sendung (Veranstaltung) mit der Einspielung von Beiträgen (Einspielungen).

Wichtig ist immer nur eins: Kühlen Kopf bewahren! Die Technik ist auf Ihrer Seite!“

Studio 44 dankt Ingrid Malina für diesen Expertentipp!

Ingrid Malina ist Expertin in Sachen Gestaltung, Regie und Eventkoordination.

Referenzen:  

  • Regieassistenz für 20 Folgen TOHUWABOHU
  • Organisation und Umsetzung von Events im Studio 44: Medientage, Krone-Wahl zum Fußballer des Jahres, Sporthilfe-Gala usw.
  • Drehbuch und Regie/Gestaltung von Industriefilmen, Lehrfilmen und Internetclips: Video „Magie ist keine Hexerei“, Video „ Studio 44 Impressionen“, Internetclip „Dolby Digital“ und „Grundlagen und Praxis der digitalen Audiotechnik“ für SSB Seminarservice & Beratung, Videoinstallation „Ebbe und Glut“ für die Ausstellung in der Karlsplatzpassage
  • In Arbeit: Video „Studio 44“ Neuauflage, DVD „Panta Rhei“

 

Foto Ingrid Malina: Robert Newald

 

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