Expertentipp von Peter Svec

Dass ein Event und all die anwesenden Personen fotografiert werden, ist in vielerlei Hinsicht für den Veranstalter wichtig. Doch was ist das Besondere daran?

Event-Fotografie ist für mich als Berufsfotograf reizvoll, weil sie besonders anspruchsvoll und fordernd ist. Zum besseren Verständnis vier Punkte, die die Situation bei Events erklären:

 

1. Der zeitliche Ablauf erlaubt bzw. verzeiht kaum Fehler. Nichts kann wiederholt oder neu arrangiert werden.

 

2. Es gibt üblicherweise einen Auftraggeber, aber zahlreiche zusätzliche (oder potenzielle) Interessenten – von den Gästen bis hin zur Presse und allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Man kann sicher sein, wenn man als Event-Fotograf erst einmal erkannt wurde, wenden sich unterschiedliche Menschen – von den Künstlern der Show-Einlage bis zu den anwesenden Pressevertretern – an den Fotografen und fragen nach guten Bildern.

 

3. Eine Veranstaltung bietet eine Vielzahl von Motiven, die es entsprechend den unterschiedlichen Aufnahme- und Lichtsituationen einzufangen und festzuhalten gilt: von der Gesamtsituation (Einfangen der Stimmung) über das Geschehen auf der Bühne bis hin zu den einzelnen Gästen. Und natürlich sollte niemand dabei gestört oder beeinträchtigt werden – weder die Menschen auf der Bühne, noch die Zuseher im Saal und auch nicht die Kollegen mit Kameras.

 

4. Die tolle,  stimmungsvolle Beleuchtung bedeutet fast immer fotografisch problematische Lichtverhältnisse. Druckreife Aufnahmen mit Atmosphäre entstehen in den seltensten Fällen durch die Belichtungsautomatik einer Kamera. Das erfordert Erfahrung bei der Aufnahme und gegebenenfalls eine Nachbearbeitung, um ausgewählten Bildern den letzten Schliff zu geben.


Klingt teilweise sehr nach Fingerspitzengefühl und Diplomatie. Was wünscht sich ein Profi von seinem Auftraggeber, um ihm die Arbeit zu erleichtern?

 

Zentrales Thema ist das Briefing. Der ideale Auftraggeber informiert seinen Fotografen aktiv und erarbeitet zusätzlich anhand seiner Fragen mit ihm die Schwerpunkte. 

 

Also abgesehen von Zeit und Ort des Geschehens sowie dem Programmablauf ist eine der wichtigsten Informationen, welches Ziel die Veranstaltung verfolgt? Der Fotograf soll verstehen können, worum es dem Kunden geht, wofür die Gäste hier sind und was „rüberkommen“ soll.

 

Außerdem ist wichtig, wie viele Gäste erwartet werden und welche verbindenden Gemeinsamkeiten diese haben (Weiterbildung, Branchenzugehörigkeit, Wettkampf, Auszeichnung, Teilnahme an einem Gewinnspiel ...). Und dann natürlich technisch formale Eckdaten: 

 

  • Was haben Sie mit den Bildern vor bzw. was möchten Sie erreichen?
  • Brauchen Sie alle Bilder gleich schnell oder z.B. Pressefotos vorab?
  • Wer wählt nach welchen Kriterien aus?
  • Gibt es Formvorschriften (z.B. keine Hochformate etc.)

 

Wichtig ist es also, dass Sie mit Ihrem Fotografen ein ausführliches Gespräch führen, die Event-Ziele mit ihm besprechen und ihn auch über die agierenden Personen ausreichend informieren, damit auch wirklich die richtigen Menschen ins Bild gerückt werden.

 


Oft werden Event-Fotos gerne als Erinnerung den Gästen zugesandt. Der Veranstalter will damit über eine emotionale Ebene nochmals seine Gäste an die Veranstaltung und damit an die Inhalte und die Botschaft erinnern. Worauf gilt es dabei zu achten?

 

Ja, die meisten Events enden nicht mit der Verabschiedung des letzten Gastes. Fotos werden gerne verwendet, um die Eindrücke zu verstärken. Worauf ich dabei achte? Ich bemühe mich, mit Gespür auf die Menschen zuzugehen und sie in einem günstigen Moment angenehm zu überraschen. Auf diese Weise entstehen lebendige Erinnerungsbilder, die beinahe jeder gerne sieht und herzeigt, weitergibt, vielleicht ausdruckt und an die Pinwand hängt.

 

Beim späteren Betrachten der Bilder sollen die Gäste sich denken: "Toll war's, es war wichtig, dass ich da war“ und „gut habe ich gewirkt“. Der Gast ist der Mittelpunkt jeder Veranstaltung. Gehegt, gepflegt, verwöhnt dreht sich alles um seine Gunst, sein Wohlfühlen, sein Vertrauen, seine Zeit, seine Aufmerksamkeit, seine Zustimmung. Der Gast möchte sich selbst sehen - schön, strahlend, glücklich, gesellig oder eventuell cool - jedenfalls so, wie er wirklich ist (bzw. sich selber sieht oder gesehen werden will) - und bitte ohne seine Zigarette!


Und worauf der Veranstalter besonders achten sollte:

 

Ob ein Fotograf das alles kann, sollte am besten in einem persönlichen Gespräch festgestellt werden. Kann er ein Gespür für Sie und Ihr Anliegen entwickeln? Wie sehen seine Referenzen aus? Wenn Ihnen der Fotograf selbst und auch seine Referenzen gefallen, dann wird er sicherlich das richtige Gespür für Ihre Gäste entwickeln. Der Auftraggeber sollte sich darüber bewusst sein, dass man als Fotograf den Gästen ziemlich nahe kommt. Der Fotograf muss in sehr kurzer Zeit ein gewisses Vertrauen aufbauen, aber dabei respektvolle Distanz wahren. Er soll präsent sein, aber nicht lästig. Wer an diese Faktoren denkt, wird den richtigen Fotografen auswählen.


Studio 44 dankt Peter Svec für diesen Expertentipp!

 

Peter Svec wurde 1966 in Wien geboren. Nach der Matura (1984) absolvierte er die (damals auch für Maturanten noch vierjährige) Fachschule für Fotografie an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt. Befreit von der Unterrichtsteilnahme für allgemeinbildende Gegenstände konnte er bereits neben der Schule bei mehreren Fotografen und einem Labor Praxis erwerben. Der Abschlussprüfung (1988) folgte ein Jahr später die Meisterprüfung, 1990 machte er sich selbstständig. Parallel zur Fotografie begann Peter Svec, digitale Bildbe- und -verarbeitung für Labor und Druckvorstufe einzusetzen. Von 1993 bis 1996 arbeitete er als PaintBox-Operator eng mit einer Bildagentur zusammen. Ab 1996 wandte er sich wieder verstärkt der Fotografie zu - redaktionelle und Event-Fotografie, P.R. sowie Werbung -, seit 1998 ausschließlich mit digitaler Aufnahmetechnik. Von 2002 bis 2004 absolvierte er den Universitätslehrgang für Werbung und Verkauf an der WU Wien.

 

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